57 % nutzen KI:
Was die neuen Bitkom-Zahlen für den Mittelstand bedeuten
KI-generiertErstmals setzt die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland Künstliche Intelligenz ein: 57 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten, nach 36 Prozent im Vorjahr und nur 20 Prozent vor zwei Jahren. Das zeigt eine repräsentative Bitkom-Umfrage unter 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten vom September 2026. Nur noch 4 Prozent der befragten Unternehmen sagen, KI sei für sie kein Thema — vor zwei Jahren waren es noch 41 Prozent.
KI ist in deutschen Unternehmen inzwischen in der Breite angekommen. Für den Mittelstand zeigen die Zahlen gleichzeitig, dass zwischen dem Einsatz einzelner KI-Anwendungen und einer systematischen Ausschöpfung des Potenzials noch eine große Lücke besteht.
Kurz zusammengefasst: KI erzielt in vielen Unternehmen bereits messbare Effekte — gleichzeitig sehen die meisten Anwender noch erhebliches ungenutztes Potenzial. Unter den Unternehmen, die KI bereits einsetzen, gibt laut Bitkom keines an, das Potenzial vollständig auszuschöpfen; 59 Prozent der KI-Anwender nutzen es nach eigener Einschätzung sogar überhaupt nicht. Für den Mittelstand liegt der eigentliche Hebel deshalb weniger im Einstieg selbst als in der systematischeren Erschließung des vorhandenen Potenzials.
Dieser Beitrag richtet sich an Geschäftsführer und Entscheider im deutschen Mittelstand, die die aktuellen Bitkom-Zahlen zur KI-Nutzung für die eigene Einordnung nutzen möchten — nicht an technische Spezialisten.
Die Zahlen: KI ist in der Breite angekommen
Der Anstieg innerhalb von zwei Jahren betrifft alle befragten Unternehmen ab 20 Beschäftigten: von 20 Prozent (2024) über 36 Prozent (2025) auf 57 Prozent (2026) Nutzung. Weitere 38 Prozent planen den Einsatz oder diskutieren ihn aktuell. Auch die grundsätzliche Haltung hat sich verschoben: 91 Prozent aller befragten Unternehmen halten KI mittlerweile für die wichtigste Zukunftstechnologie (2024: 73 Prozent), nur noch 8 Prozent sehen darin einen überschätzten Hype (2024: 26 Prozent).
Die eigentliche Erkenntnis: KI wirkt bereits — das Potenzial bleibt trotzdem vielfach ungenutzt
Der auffälligste Befund betrifft die Unternehmen, die KI bereits einsetzen: Kein Unternehmen dieser Gruppe gibt an, das Potenzial von KI vollständig auszunutzen. Gerade einmal 3 Prozent der KI-Anwender schöpfen es nach eigener Einschätzung eher stark aus, 28 Prozent eher wenig, 59 Prozent überhaupt nicht — ein Anteil, der laut Bitkom über alle Unternehmensgrößen hinweg fast identisch ist, vom Betrieb mit 20 Beschäftigten bis zum Konzern.
Gleichzeitig zeigt dieselbe Befragung, dass KI-Einsatz bereits konkret wirkt: 66 Prozent der KI-Anwender berichten von einer verbesserten Wettbewerbsposition, 48 Prozent von spürbar beschleunigten internen Prozessen, 45 Prozent von einem messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg. Die Zahlen zeigen damit zwei Dinge gleichzeitig: KI kann bereits konkrete betriebliche Wirkung entfalten, und dennoch sehen die meisten Anwender noch erheblichen Spielraum bei der Nutzung des vorhandenen Potenzials.
Warum ein Teil der Unternehmen KI auch aus Wettbewerbsdruck einsetzt
Ein Detail relativiert die reine Wachstumszahl: Unter den Unternehmen, die KI bereits einsetzen, nennt ein Drittel (33 Prozent) die Sorge, andernfalls den Anschluss zu verlieren, als Haupttreiber des eigenen KI-Einsatzes. Diese Verunsicherung zieht sich durch weitere Antworten aller befragten Unternehmen: 61 Prozent meinen, Unternehmen ohne KI-Nutzung hätten keine Zukunft (2025: 51 Prozent), 56 Prozent sehen Deutschland beim Thema KI bereits abgehängt, und 34 Prozent sorgen sich um die Existenz des eigenen Unternehmens durch KI (2025: 23 Prozent).
Der Befund zeigt, warum ein konkreter betrieblicher Anwendungsfall wichtiger ist als der bloße Druck, beim Thema KI dabei sein zu müssen.
Ein Teil dieser Verunsicherung betrifft auch regulatorische Fragen: 37 Prozent aller befragten Unternehmen gehen mittlerweile davon aus, als Anwender vom EU AI Act betroffen zu sein (2025: 23 Prozent). Welche Pflichten im Einzelfall greifen, hängt stark von Anwendungsfall und Rolle ab — eine ausführliche Einordnung bietet der ZOKI-Artikel zu den EU-AI-Act-Pflichten für KMU.
Wo KI im Unternehmen bereits eingesetzt wird
Am häufigsten läuft KI-Einsatz laut Bitkom dort, wo Unternehmen direkt mit Kunden zu tun haben: bei der Bearbeitung von Anfragen (72 Prozent der KI-Anwender) sowie in Marketing und Kommunikation (54 Prozent). Deutlich zugelegt haben Bereiche wie internes Wissensmanagement (22 Prozent, Vorjahr 11 Prozent) und der Vertrieb (14 Prozent, Vorjahr 5 Prozent). Welche Geschäftsprozesse sich im Mittelstand grundsätzlich am ehesten für KI-Unterstützung eignen, zeigt der Artikel Wo lohnt sich KI wirklich? 10 Geschäftsprozesse im Mittelstand mit hohem Automatisierungspotenzial.
Was beim KI-Einsatz über die eigentliche Lizenz hinaus Aufwand verursacht
Ein Zitat aus der Bitkom-Pressekonferenz bringt einen zentralen Punkt auf den Punkt: „Bei KI geht es nicht in erster Linie um das eingesetzte Modell. Daten aufbereiten, Systeme verbinden und Rechenkapazität bereitstellen erfordert den höchsten Aufwand. Wer nur eine Lizenz kauft, hat KI eingekauft, aber noch nichts verändert“, so Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. Passend dazu nennen die befragten KI-Anwender als größte Kostenpunkte Infrastruktur (51 Prozent), Datenaufbereitung (50 Prozent) und Integration in bestehende Systeme (41 Prozent) — Abos und Lizenzen für KI-Software liegen mit 21 Prozent deutlich dahinter.
Das erklärt auch, mit welchen Hürden KI-Anwender heute tatsächlich ringen: Anforderungen an den Datenschutz (66 Prozent der KI-Anwender), rechtliche Verunsicherung (56 Prozent) und schwer kalkulierbare Kosten (54 Prozent) stehen bei ihnen weit vorne — deutlich vor einer schlechten Qualität der Ergebnisse (26 Prozent). Bei Unternehmen ohne KI-Einsatz dominiert dagegen ein anderes Bild: fehlendes technisches Know-how zur Implementierung (85 Prozent der Nichtanwender), gefolgt von rechtlicher Verunsicherung (66 Prozent) und schwer kalkulierbaren Kosten (63 Prozent).
Daraus ergibt sich der eigentliche rote Faden der Bitkom-Zahlen: KI-Nutzung allein ist noch kein Erfolgskriterium. Entscheidend ist, ob ein konkretes Problem beziehungsweise ein geeigneter Prozess adressiert wird, welche Voraussetzungen dafür vorhanden sind und wie Daten, Systeme und Umsetzung zusammenspielen. Ein Werkzeug allein löst keines dieser Probleme. Deshalb sollte nicht die Auswahl eines KI-Tools am Anfang stehen, sondern die Frage, welcher Prozess oder Anwendungsfall verbessert werden soll und welche Daten, Systeme und organisatorischen Voraussetzungen dafür benötigt werden.
Was das für Ihr Unternehmen bedeutet
Die Bitkom-Zahlen lassen sich für den eigenen Betrieb an einer einfachen Unterscheidung spiegeln: Wird KI bereits eingesetzt — und lässt sich der tatsächliche Nutzen davon beziffern, oder bleibt es bei vereinzelten Anwendungen ohne klaren Effekt? Und falls KI noch kein Thema ist: Liegt das an einem fehlenden Anwendungsfall, an fehlendem technischem Know-how, oder schlicht daran, dass die eigenen Prozesse noch nicht in Ruhe betrachtet wurden? Eine erste Orientierung, wie sich das an einem konkreten Ablauf einschätzen lässt, bietet der Artikel Prozessautomatisierung im Mittelstand: Wann sie sich lohnt — und wann nicht.
Häufige Fragen
Wie viele Unternehmen in Deutschland nutzen bereits KI?+
Laut der Bitkom-Umfrage von September 2026 setzen 57 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland KI ein, nach 36 Prozent im Vorjahr und 20 Prozent vor zwei Jahren.
Nutzen Unternehmen das Potenzial von KI bereits aus?+
Nach eigener Einschätzung noch längst nicht vollständig. Kein befragtes Unternehmen mit KI-Einsatz gibt an, das Potenzial vollständig auszuschöpfen. 3 Prozent nutzen es eher stark, 28 Prozent eher wenig und 59 Prozent nach eigener Einschätzung überhaupt nicht.
Ist es sinnvoll, KI nur einzuführen, um den Anschluss nicht zu verlieren?+
Ein Drittel der KI-Anwender nennt laut Bitkom genau diese Sorge als Haupttreiber ihres KI-Einsatzes. Belastbarer als der reine Wunsch, beim Thema KI dabei zu sein, ist in jedem Fall ein konkreter, geprüfter betrieblicher Anwendungsfall.
Was bremst Unternehmen ohne KI-Einsatz am meisten?+
Laut Bitkom vor allem fehlendes technisches Know-how zur Implementierung (85 Prozent der befragten Unternehmen ohne KI-Einsatz), gefolgt von rechtlicher Verunsicherung (66 Prozent) und schwer kalkulierbaren Kosten (63 Prozent).
Die Bitkom-Zahlen lassen sich für den eigenen Betrieb an einer einfachen Unterscheidung spiegeln: Wird KI bereits eingesetzt — und lässt sich der tatsächliche Nutzen davon beziffern, oder bleibt es bei vereinzelten Anwendungen ohne klaren Effekt? Und falls KI noch kein Thema ist: Liegt das an einem fehlenden Anwendungsfall, an fehlendem technischem Know-how, oder schlicht daran, dass die eigenen Prozesse noch nicht in Ruhe betrachtet wurden? In der ZOKI KI-Potenzialanalyse wird geprüft, wo im eigenen Unternehmen ein sinnvoller Ansatzpunkt liegt. Im kostenlosen Erstgespräch lässt sich klären, ob und welcher nächste Schritt sinnvoll ist.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Alle genannten Zahlen stammen aus der Bitkom-Presseinformation „Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen KI“ vom 14. September 2026 (repräsentative Befragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, durchgeführt von Bitkom Research) und wurden nach bestem Wissen korrekt wiedergegeben, mit Kennzeichnung, ob sich eine Zahl auf alle befragten Unternehmen, nur KI-Anwender oder nur Nichtanwender bezieht. Für Details empfiehlt sich ein Blick in die Primärquelle.
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